Whanganui 1.400 km

21. Dezember 2025 - von Whanganui Richtung Bulls am Meer entlang

Die letzte Nacht war leider wenig erholsam, da ich mehr wach gelegen habe, als ich geschlafen habe. Ich verbrachte die Stunden damit, zu telefonieren oder in meiner Trail App und meinem Buch zu lesen; erst nach 2:30 Uhr fand ich endlich etwas Ruhe. Als ich zwischendurch aufstehen musste, um zur Toilette zu gehen, erschreckte ich mich fast zu Tode, weil plötzlich ein Tier aus einem Baum sprang. Ohne Brille habe ich nichts gesehen, ich weiß nicht, was es war. Um 5:30 Uhr war ich bereits wieder wach, wozu auch die Vögel beitrugen, die direkt über meinem Zelt einen unglaublichen Lärm veranstalteten. Zu meiner Freude war mein Zelt vollkommen trocken geblieben, sodass mir das geplante Aufhängen und Trocknen erspart blieb und ich zügig packen konnte.

In der Gemeinschaftsküche war zu meiner Überraschung so früh am Morgen schon einiges los. Obwohl ich eigentlich abmarschbereit war, ließ ich mir Zeit, da ich unbedingt die Öffnung der Rezeption um 8:00 Uhr abwarten musste. Ich hatte gelesen, dass man für die Duschen im nächsten Camp Zwei-Dollar-Münzen benötigt. Den Luxus wollte ich mir keinesfalls entgehen lassen. Nachdem ich mein Geld gewechselt hatte, machte ich mich endlich auf den Weg.

Die Route führte mich ein letztes Mal am Whanganui River entlang, bevor es über eine Brücke und zahlreiche Stufen steil bergauf ging. Die Anstrengung wurde oben mit einer fantastischen Aussicht belohnt, die über die Berge und den Fluss bis hin zum nahen Meer reichte. Danach begann jedoch ein eher eintöniger Abschnitt entlang der Straße. Die Sonne brannte unerbittlich heiß, und ich war sichtlich erleichtert, als sie schließlich hinter den Wolken verschwand. Um die Monotonie der endlosen Kilometer zu durchbrechen, unterhielt ich mich kurz mit einem Rentner, der gerade seine Hausnummer aufmalte. Er erzählte mir ein wenig über sein riesiges Anwesen, seine Tiere und die Südinsel. Auch eine Nachricht an John und ein anschließendes Telefonat über meine Erlebnisse auf dem Fluss sorgten für eine willkommene Abwechslung zwischen den weiten Weideflächen voller Schafe. Ansonsten gibt es außer der langen Straße nicht viel Interessantes zu sehen.

Dann kam er, der Abzweig zum State Highway 3. Zum Glück waren es nur 2,5 km, das war auszuhalten. Der Picknicktisch nach 20 km war natürlich auf der anderen Straßenseite. Ich bin trotzdem rüber und habe eine kleine Pause gemacht. Kurz danach konnte ich abbiegen auf eine ruhigere Straße. Hier lief gerade eine riesige Kuhherde von einer Weide auf die nächste. Witzig war, es gab eine Unterführung, die Tiere mussten die Straße nicht über- sondern unterqueren. Solche Begegnungen wiederholten sich noch ein paar Mal auf der ruhigen Nebenstrasse, bis ich endlich auf einen Grasweg abbog. Der Weg führte durch ein kleines Wäldchen und plötzlich lag das Meer vor mir. Ich konnte es kaum erwarten. Schwarzer Sand, die Dünen und alles voll mit Treibholz.

Während der letzten vier Kilometer den beeindruckenden Strand entlang zum Camp beobachtete ich aufgeregte Möwen, die im Treibholz brüteten. Überall wuselten Küken in verschiedenen Größen herum und ich sah sogar Nester mit Eiern. Um die Vögel nicht weiter zu stören, entfernte ich mich schnell Richtung Wasser. Am Flutsaum entdeckte ich zudem eine Muschel von einer Größe, wie ich sie zuvor noch nie gesehen hatte. Der Strand ist so wunderschön, hier möchte ich überhaupt nicht weg. Ich habe Spuren im Sand gesehen, ich denke das sind Mel und Steve gewesen.

Nachdem ich einen Fluss durchquert hatte und zunächst ein Stück zu weit gelaufen war, fand ich schließlich das Camp und stellte mein Zelt auf. Den Abend verbrachte ich gemeinsam mit Mel und Steve beim Essen. Wir unterhielten uns angeregt und sie gestanden mir, dass sie auf dem Fluss an mich gedacht hatten, als ich nicht auftauchte. Nach dem Essen gönnte ich mir die wohlverdiente Dusche, für die sich das Geldwechseln definitiv gelohnt hatte. Mit einem Bimsstein, den ich am Strand gefunden hatte, brachte ich sogar meine Füße wieder in Ordnung.

Obwohl ich noch einmal kurz zum Strand zurückkehrte, war ich am Ende zu erschöpft, um auf den eigentlichen Sonnenuntergang zu warten. Die phänomenalen Wolkenformationen und das Licht der dahinterstehenden Sonne sind zwar wunderschön, aber die Müdigkeit siegt. Jetzt liege ich endlich und freue mich auf den Schlaf, damit ich morgen früh um 6:15 Uhr gemeinsam mit Mel und Steve aufbrechen kann.

22. Dezember 205 – vom Strand nach Bluff

Heute war ein langer und ereignisreicher Tag auf dem Te Araroa, der bereits sehr früh begann. Da ich wegen der Gezeiten früh aufbrechen musste, um die vielen Kilometer am Strand rechtzeitig zu bewältigen, startete ich bereits um 6:15 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits gepackt, gefrühstückt und war abmarschbereit. Mein Weg führte mich zunächst ein schönes Stück durch die Dünen, bevor ich schließlich wieder den Strand erreichte.

Ich hielt Ausschau nach den Möwen, doch die Brutplätze von gestern lagen wohl schon hinter mir, da keine Vögel mehr zu sehen waren. Der Strand selbst beeindruckte mich jedoch weiterhin mit seinen Unmengen an Treibholz. Nach 12,5 Kilometern verließ ich die Küste und bog links ab, um ein privates Waldstück zu durchqueren, was nach dem langen Strandabschnitt eine willkommene Abwechslung bot. Kurz darauf erreichte ich die Straße. Ein Schild verriet mir, dass es noch 14 Kilometer bis nach Bulls waren. Da es erst 11:15 Uhr war, lag ich gut in der Zeit.

Die anschließende Straßenstrecke zog sich allerdings sehr in die Länge. Außer Weiden und einigen Bäumen gab es wenig zu entdecken. Ich legte noch eine Pause im Schatten ein, bevor ich an einem Golfplatz vorbeikam, dessen Rasen jedoch sehr trocken wirkte. Besonders schön anzusehen waren die rot blühenden neuseeländischen Weihnachtsbäume, die dort in einer Reihe gepflanzt worden waren. Der stetige Wind war an diesem Nachmittag mein Glück, da die Sonne sonst vermutlich unerträglich heiß gewesen wäre.

Auf dem Weiterweg stieß ich auf einen erbärmlichen Gestank, dessen Ursache ich zunächst nicht ausmachen konnte. Zuerst passierte ich einen großen Haufen faulender Kürbisse, doch der wahre Grund für den Geruch offenbarte sich erst hundert Meter weiter. Ein Schwein schlief dort im Schatten und erschrak heftig, als ich an das Tor trat - seine Ruhe war wohl schlagartig vorbei – sorry!

Die restliche Strecke bis Bulls war schließlich nicht mehr weit. Ich war erleichtert, als ich die Stadt endlich erreichte. Da dort nicht viel los war, gönnte ich mir zuerst ein Eis und kaufte ein paar Kleinigkeiten für das Abendessen ein. Besonders amüsant fand ich die überall hängenden Schilder, die auf kreative Weise mit dem Stadtnamen spielten.

Der Weg zum Holiday Park (1460 km) war kurz, führte allerdings an einer stark befahrenen Straße entlang. Auf dem Platz herrsche kaum Betrieb; außer mir stehen dort nur vier weitere Zelte, was mir nach diesem Tag sehr recht ist. Ich werde ich mir gleich etwas zu essen kochen und dann noch ein wenig telefonieren und schreiben - die 34 Kilometer, die ich heute zurückgelegt habe, stecken mir ordentlich in den Knochen.

23. Dezember 2025 - von Bulls nach Feilding

Die Nacht im Holiday Park in Bulls war überraschend gut, obwohl mein Zeltplatz direkt an der Straße lag. Ein kurzer Regenschauer am frühen Morgen sorgte allerdings dafür, dass ich mein Zelt klatschnass einpacken musste.

Der Start in den Tag war wenig inspirierend, da die Route fast ausschließlich an der Straße entlangführte. An der ersten großen Abzweigung entdeckte ich jedoch die markante Bullen-Skulptur. Carmen hatte mich am Telefon gefragt, ob ich ein Foto hätte, wie ich auf dem Bullen sitze – das war meine Chance. Kurzerhand kletterte ich hinauf und sicherte mir das Beweisfoto. Danach bot die Landschaft wenig Abwechslung; außer Schafen und Kühen gab es nicht viel zu sehen.

Als es anfing zu regnen, war ich froh, meine Regenbekleidung bereits vorsorglich angezogen zu haben, sodass ich trocken blieb. Auf den 20 Kilometern nach Feilding traf ich Lennard wieder, einen jungen Deutschen, der bereits im letzten Camp gewesen war. Da ich mich bei einem Trail Angel angemeldet hatte, schrieben wir ihn kurzerhand gemeinsam an – und er hatte tatsächlich auch für Lennard noch einen Platz frei.

Auf dem Weg fiel mir die traurige Menge an überfahrenen Igeln auf der Straße auf. Umso mehr freute ich mich, als ich einen kleinen, lebendigen Igel entdeckte, der sich im Gras zusammengekugelt hatte. Ich setzte ihn vorsichtig auf die angrenzende Weide. Hoffentlich passen die Kühe auf, wo sie hintreten.

In Feilding angekommen, hörte der Regen auf und der Wind trocknete meine Kleidung im Nu. Wir gönnten uns Kaffee und Kuchen, erledigten ein paar Einkäufe und schmunzelten über den Supermarktverkäufer in seinem weihnachtlichen Outfit. Dann holte uns unser Trail Angel John ab. Er gab uns eine kleine Stadtrundfahrt und erzählte viel über den Ort. Leider war heute Mittwoch – ich hätte zu gerne die große Viehauktion am Freitag gesehen, die größte des Landes.

Bei John zu Hause wurden wir herzlich von seiner Frau Ronda und den Kindern Eden, Hannah und Josh empfangen. Wir schlugen unsere Zelte im Garten auf und genossen ein kühles Bier bei strahlendem Sonnenschein. John und Eden sind den Te Araroa letztes Jahr selbst gelaufen, und John sprudelte nur so vor Informationen. Da er für den TA Trust arbeitet, gab er uns faszinierende Einblicke in den Streckenausbau, geplante Hütten und neue Wege durch Sumpfgebiete. Ich machte mir eifrig Notizen, wusste aber, dass ich ihn im Notfall jederzeit kontaktieren könnte.

Das Abendessen war ein echtes Highlight: John hatte selbst ein Reh geschossen. Das Fleisch hatte er zehn Stunden lang geschmort und es schmeckte zusammen mit der Polenta hervorragend. Obwohl ich normalerweise kein Fleisch esse, mache ich auf dem Trail gerne eine Ausnahme bei so einer Gelegenheit.

Nach den vielen Gesprächen musste ich mich irgendwann zurückziehen. Ich wollte unbedingt noch mit Maren telefonieren, bevor sie nach Ruanda abfliegt und die Erreichbarkeit schwieriger wird. Meine letzte Amtshandlung war die Lebensmittelbestellung für die Tararuas. Das Internet im Zelt war erst zu schwach für die Kreditkartenzahlung, also krabbelte ich noch einmal raus in den Wi-Fi-Bereich. Dann klappte es: Die Vorräte für das nächste schwere Teilstück sind gesichert und werden morgen geliefert.

Zwar sagte mir die geplante Unterkunft für morgen ab, aber zur Not bleibt mir immer noch der Holiday Park. Trotz der Müdigkeit lag ich in der Nacht oft wach, recherchierte noch ein wenig und fand nur wenig Schlaf.

24. Dezember 2024 - Heiligabend zwischen Regen und Trail-Magic

Heiligabend! Doch ehrlich gesagt fühlte es sich heute überhaupt nicht danach an. Ich wurde vom Trommeln des Regens auf meinem Zelt wach, schälte mich mühsam aus dem Schlafsack und packte meine Sachen zusammen. John war zum Glück auch schon auf den Beinen; es gab erst einmal Kaffee und Frühstück. Wir verquatschten uns fast wieder, genau wie gestern Abend. Auch Hannah und Ronda sah ich noch kurz, bevor uns John gegen acht Uhr im strömenden Regen ins Zentrum von Feilding fuhr.

Die ersten Kilometer waren noch ziemlich nass, doch glücklicherweise hörte der Regen bald auf. Vor mir lagen zwei kleinere Flussüberquerungen und ich hatte mich eigentlich schon auf nasse Füße eingestellt. Zu meiner Überraschung lagen die Steine im ersten Bach so günstig, dass ich trockenen Fußes das andere Ufer erreichte. Der Weg führte zwar parallel zur Straße, war aber dennoch angenehm zu laufen.

Trotz des aufklarenden Himmels hing die Tararuas-Bergkette tief in den Wolken fest – man konnte die massiven Gipfel, die mir bald bevorstehen, nur erahnen. Schade war nur, dass ich die alte Dampflok in Feilding verpasst hatte, während ich nun neben der Bahnlinie herlief.

Zur Mittagspause auf einer Wiese gab es heute mal eine Abwechslung auf dem Speiseplan: einen Wrap mit Avocado, Ingwer und Thunfisch – richtig lecker!

Ich war froh über den kurzen Tag und erreichte Palmerston North nach nur 20 Kilometern. Mein Trail Angel Sam wohnt praktischerweise direkt am Trail in Hokowhitu. Er ist ein super entspannter Typ, 41, Fahrradmechaniker und hat einen achtjährigen Sohn. Ich durfte mein noch immer klatschnasses Zelt in seinem Garten aufschlagen. Angeblich waren noch vier weitere TA-Hiker da, doch im ersten Moment sah ich niemanden.

Nachdem ich mein Zelt zum Trocknen aufgehängt und die Waschmaschine gefüllt hatte, machte ich mich auf den Weg in die Stadt. Eine neue Regenhose war dringend nötig, und der große Lebensmitteleinkauf für die nächsten Tage stand an. Der Supermarkt war – wie befürchtet – am Tag vor Weihnachten extrem voll, aber ich wollte die schweren Vorräte nicht schon früher mit mir herumschleppen. In der Stadt gab es dann eine tolle Überraschung: Ich traf völlig unverhofft Anekin und Marion aus Frankreich wieder. Die Freude war riesig!

Sam schickte mir eine Nachricht, dass es heute Abend ein Barbecue geben würde. Obwohl ich mir in der Stadt schon einen Burger gegönnt hatte, ließ ich mir das nicht entgehen. Zurück im Camp reparierte ich noch meinen Poncho und verstaute die Einkäufe. Sam hatte sogar extra bunte Lichterketten für die Garage besorgt, wo wir dann alle gemeinsam aßen. Es war ein etwas anderes Weihnachten als gewohnt, aber in der Gemeinschaft mit den anderen Wanderern war es richtig schön.

Nach dem gemeinsamen Aufräumen und ein bisschen Plaudern liege ich nun im Zelt. Der Wind rüttelt ordentlich an der Plane, was aber einen Vorteil hat: Morgen früh kann ich hoffentlich ein staubtrockenes Zelt einpacken. Das werde ich auch brauchen, denn morgen steht ein langer Tag mit knapp 40 Kilometern bis zur nächsten Campsite an.

25. Dezember 2025 - Weihnachtsetappe auf dem Te Araroa

Der erste Weihnachtstag begann so, wie ich es mir erhoffthatte: Ich war gut ausgeschlafen und fühlte mich ausgeruht, als ich aufstand.Während um mich herum noch alles tief und fest schlief, herrschte absoluteStille. Ich genoss diese morgendliche Ruhe, frühstückte wie gewohnt und packtemeine sieben Sachen zusammen. Nachdem ich mich von Sam verabschiedet hatte,machte ich mich auf den Weg durch die noch vollkommen ausgestorbene Stadt.

Begegnungen am Wegesrand

Das Bild änderte sich schlagartig, als ich um 7:33 Uhr ander Kirche vorbeikam. Menschenmassen strömten zum Weihnachtsgottesdienst insGebäude. Einige hielten kurz inne, um mich neugierig anzusprechen – sie wollten wissen, woher ich kam und was mein Ziel war. Ein krasser Kontrast dazu waren die Obdachlosen, die zur gleichen Zeit aus ihren Verstecken krochen oder sich mühsam von den Parkbänken erhoben. Einer rief mir lautstark über die Straßenach und fragte nach einer Zigarette. Ich hatte keine und wanderte lieber zügig weiter.

Kurios wurde es kurz darauf: Ein Hausbesitzer stand im Garten und stutzte seelenruhig mit der elektrischen Heckenschere seinen Baum. Anscheinend darf man hier am ersten Weihnachtstag tun und lassen, was man will– Feiertagsruhe hin oder her.

Abschied von der Zivilisation

Bald darauf ließ ich die Stadt hinter mir. Die Strecke führte mich zunächst ein kurzes Stück am Fluss Turitea entlang, gefolgt von einem asphaltierten Weg, der sich malerisch durchs Grüne schlängelte. Auch derBledisloe Park war sehr schön anzusehen. Auf einem Kinderspielplatz entdeckte ich eine „Shrek“-Figur – ein perfektes Fotomotiv. Ich schickte das Bild sofort an „Shrek“, der sich riesig über den Gruß freute.

Besonders froh war ich darüber, dass uns das Laufen auf derHauptstraße erspart blieb. Parallel dazu verlief ein „grüner Korridor“, der dasWandern sehr angenehm machte. Am Ende dieses Abschnitts führte eineSchotterpiste bergauf. Von dort oben hatte ich einen fantastischen Blick aufdie Hügel, die vor mir lagen – ein kleiner Vorgeschmack auf die Höhenmeter der kommenden Tage. Danach folgten schmale Pfade, gesäumt von Manuka-Sträuchern;das war landschaftlich ein echtes Highlight.

Von seltsamen Fragen und Urwald-Feeling

Meine Mittagspause verbrachte ich auf einer Campsite, wodrei recht merkwürdige Gestalten grillten. Sie boten mir tatsächlich an, etwasauf den Rost zu legen, falls ich Fleisch dabei hätte. Ich musste innerlichschmunzeln – als ob ich auf einer Fernwanderung eine Kühltasche mit Grillgut mit mir herumschleppen würde! Das Gespräch wurde schnell unangenehm, als eine der Personen anfing, über den Krieg zu dozieren und mich fragte, ob in Deutschland viele Menschen gestorben seien. Das war für mich das Signal, dasWeite zu suchen.

Ganz anders war das Ehepaar am letzten Parkplatz. Die Frauwar so wissbegierig und gesprächig, dass sie uns fast nicht mehr hätte gehenlassen. Glücklicherweise „rettete“ uns ihr Mann schließlich aus dem Redeschwall.

Der anschließende Aufstieg durch den Arapuke Park fühlte sich an wie im tiefsten Urwald. Ich musste mehrfach den Fluss überqueren, aberda er schmal genug war, konnte ich über große Steine balancieren. Meine Füße blieben zur Abwechslung trocken. Die letzten Kilometer spulte ich auf einerSchotterpiste ab.

Feierabend im Camp

Insgesamt standen heute 38 Kilometer auf der Uhr. Ich war erstaunlich gut unterwegs – vermutlich hat sich das viele Essen der letztenTage als Brennstoff bezahlt gemacht. An der Campsite angekommen, schlug ichschnell mein Zelt auf, obwohl es dort auch einen schönen Shelter gab. Es sindeinige neue Gesichter hier; ich bin gespannt, wer noch eintrudelt.

Zum Abendessen gab es heute ein echtes Festmahl:Kartoffelpüree mit Erbsen, Käse und Thunfisch, zubereitet mit echter Vollmilch.Nach dem Spülen und Wasserfiltern hielt ich noch einen kurzen Plausch mit Melund Steve, bevor ich mich jetzt in mein Zelt zurückzogen habe.

Morgen erwartet mich eine kürzere Etappe, was auch gut ist,da Regen gemeldet ist und der Weg extrem matschig sein soll. Ich möchte daherzeitig aufbrechen. Vielleicht lese ich noch ein paar Seiten in meinem Buch,aber allzu lange werden meine Augen wohl nicht mehr offen bleiben.

** END **