Whanganui River Journey Die Route des Te Araroa vom Einsetzpunkt in Whakahoro bis zur Küstenstadt Whanganui wird überwiegend als Kanutour auf dem Whanganui River zurückgelegt. Dieser Abschnitt, bekannt als die Whanganui River Journey, ist einer von Neuseelands "Great Walks" und bietet eine willkommene Abwechslung zum Wandern. Die Kanufahrt kann am Whakahoro Landing begonnen werden und erstreckt sich über etwa 145 Kilometer, von denen der Te Araroa-Abschnitt, der nach Whanganui führt, etwa 151 km umfasst. Wanderer mieten in der Regel Kanus oder Kajaks und verbringen drei bis fünf Tage paddelnd auf dem Fluss. Die meisten Wanderer wählen die 3-Tages-Tour von Whakahoro bis Pipiriki oder die längere, traditionelle Route bis in die Stadt Whanganui. Die Paddelstrecke führt durch den Whanganui-Nationalpark und zeichnet sich durch ihre tief eingeschnittenen Schluchten, die üppige einheimische Vegetation und die Abgeschiedenheit aus. Unterwegs passieren die Kanufahrer sanfte Stromschnellen (meistens als leicht eingestuft), Klippen und kleine Wasserfälle. Übernachtungsmöglichkeiten bestehen in Department of Conservation (DOC) Hütten oder auf Campingplätzen entlang des Flussufers (wie John Coull Hut oder Tieke Kainga). Ein beliebter Abstecher ist die kurze Wanderung zur historischen "Bridge to Nowhere". Die Kanufahrt endet traditionell in Pipiriki. Von dort aus haben die Te Araroa Wanderer noch etwa 70 Kilometer entlang der Whanganui River Road bis zur Stadt Whanganui zurückzulegen. (Alternativ: mit dem Rad oder weiterpaddeln bis zur Gezeitenzone in Whanganui). Die Ankunft in der Stadt Whanganui markiert das Ende dieses einzigartigen Flussabschnitts des Te Araroa und bereitet die Wanderer auf die Weiterreise entlang der Nordinsel vor. |
15. Dezember 2025 - zum Ausgangspunkt der Paddeltour und Vorbereitungen
TA-Kilometer 1240 - 1400 - 56 Tage unterwegs
Die Nacht in der Unterkunft war sehr ruhig. Zum geplante Frühstück um 7:30 Uhr half ich kurz beim Tischdecken. Wir waren insgesamt 14 Wanderer plus unsere gastfreundlichen Trail Angels, Roger und Sharon. Es war so schön, einmal eine reiche Auswahl zu haben: Kaffee, Toast mit Margarine, Marmelade, Erdnussbutter und Nutella, dazu drei verschiedene Sorten Cornflakes. Ein richtig leckeres Frühstück!
Sharon führte uns durch eine Vorstellungsrunde. Sie fragte jeden nach dem Namen, dem Herkunftsland, dem Highlight und Lowlight des Trails und, sehr charmant, was wir ihr in unserer Heimat zeigen würden. Nach dieser Runde wurden alle wichtigen Infos, die an Schranktüren geschrieben standen, vorgelesen und kommentiert. Wir bekamen ausreichend Ratschläge für alle möglichen Situationen. Zum Abschluss machten wir noch ein Gruppenfoto. Jeder durfte sich einen Apfel für den Weg nehmen, und dann waren wir offiziell "entlassen".
Das Aufräumen von Geschirr und Lebensmitteln ging schnell. Ich half den beiden noch dabei. Ich hätte sogar noch mehr getan, da Sharon wirklich schlecht zu Fuß ist. Irgendwann brach ich dann schließlich auf.
Am Morgen war die Temperatur noch angenehm, doch im Laufe des Tages wurde es ganz schön warm. Auf dem Schotterweg reduzierten die Autos kaum ihre Geschwindigkeit, weshalb ich ständig in einer Staubwolke stand. Das passierte leider recht häufig.
An einer Stelle wurde gerade der Straßenbelag erneuert. Die freundlichen Arbeiter fuhren mich das kurze Stück im Auto mit, da ich dort nicht laufen durfte. Sie boten mir noch Wasser an, aber ich hatte genug und so ging es bald zu Fuß weiter. Den ganzen Tag über wurde ich vom Retaruke River begleitet. Es gab immer wieder schöne Ausblicke auf den Fluss. Es war heute ein ganz gemütlicher Wandertag. Merk-würdig war eine Rasenfläche am Weg,die aussah wie ein perfekt gepflegter Golfplatz, allerdings weideten dort nur Schafe und Pukekos statt Golfern.
Das letzte Stück lief ich zusammen mit Mel und Steve und schon waren wir in Whakahoro angekommen. Hier war wirklich nicht viel los. Die Campsite ist riesig, und man kann in der alten Schule übernachten.
Ich baute mein Zelt auf und ging sofort runter zum Fluss, um mir den Staub von der Strasse abzuwaschen. Schwimmen wollte ich nicht, aber die Erfrischung tat gut. Ich blieb jedoch nicht lange, da die Sandflies mich ordentlich bissen. Meine Füße jucken danach immer noch wie verrückt!
Später saßen wir mit einem Neuseeländer und seiner Tochter am Tisch, erzählten und aßen zu Abend. Ich bin ganz verwundert, dass Guido noch nicht da ist – drei Leute fehlten immer noch. Vielleicht fahren sie morgen mit dem Kanuverleih mit, wer weiß.
Ich liege nun schon in meinem Zelt, werde gleich noch ein bisschen lesen. Freue mich echt auf morgen und den Start der Paddeltour. Für übermorgen ist zwar ein Schlechtwetterband mit Regen vorher gesagt, aber das schreckt mich nicht. Es wird schön werden!
16. Dezember 2025 – die Whanganui River Journey beginnt
Für insgesamt fünf Tage tausche ich meine Wanderschuhe gegen ein Paddel ein, um die Whanganui River Journey zu bestreiten. Die Nacht vor dem Start war bereits unruhig, da der Blick in den wolkenverhangenen Sternenhimmel und die Vorhersage von schwerem Regen wenig Gutes verhießen. Die Kanus mussten abgeladen und mit den entsprechenden Seilen und Fässern bestückt werden. Jeder hatte zwei wasserdichte Fässer, 1 x Lebensmittel, 1 x für Alles, was trocken bleiben sollte. Für beide Personen im Kanu ein Fass, nicht wasserdicht für die Rucksäcke. Es hat gedauert, bis alles verschnürt war… Guido ist sehr sorgfältig und genau. Dann gab es noch die Rettungswesten um Paddel und sobald Platz war, ab in die Kanus.
Nachdem wir unsere Rettungswesten angelegt und die ersten Probierrunden auf dem Wasser gedreht hatten, schickte uns Jonathan vom Kanuverleih schließlich auf den Fluss. Da der Wasserstand recht niedrig war, hieß es aufgepasst und sorgfältig navigieren, um Hindernissen wie Felsen und umgestürzten Bäumen auszuweichen.
Die Fahrt gestaltete sich von Beginn an als ein freudiges Abenteuer, bei dem Guido das Kanu als geschickter Kapitän sicher durch die ersten schnellen Passagen steuerte. Selbst als wir uns einmal drehten und eine Stromschnelle rückwärts durchfuhren, behielten wir die Oberhand und blieben trocken. Die Umgebung, durch die wir geglitten sind, wirkt wie aus einer anderen Welt. Geologisch ist der Whanganui River tief in weiches Sedimentgestein, den sogenannten Mudstone oder „Papa“, eingeschnitten, was die Entstehung der beeindruckenden, steilen Felswände ermöglichte. Diese Wände waren über und über mit Moos, Farnen und majestätischen Farnbäumen bewachsen, während zahllose Wasserfälle in die Tiefe stürzten. In dieser abgeschiedenen Wildnis, die vor allem durch dichten Regenwald geprägt ist, konnten wir etliche Ziegen beobachten, die sich an den steilen Hängen tummelten. Besonders die Vogelwelt ist hier einzigartig, wobei der Fluss oft vom Ruf des Tui oder des neuseeländischen Fächerschwanzes widerhallt.
Immer mal wieder haben wir andere Kanus überholt, oder umkehrt. Anekin (Deutscher) und Marion (Französin) hatten den Soundtrek von Pirats of the Caribbean laufen und alle hatten richtig Spaß.
Die ausgelassene Stimmung schlug jedoch um, als der angekündigte Regen einsetzte. Was als leichter Schauer begann, entwickelte sich zu einem wolkenbruchartigen Dauerregen, der uns bis auf die Knochen durchnässte. Die Kälte kroch langsam in meine Glieder, während die Wasserfälle um uns herum durch die Wassermassen immer mächtiger wurden. Nach sieben Stunden und 47 Kilometern erreichte ich vollkommen unterkühlt das Camp und hatte Mühe, die Ausrüstung aus dem Boot zu räumen und meine schweren Fässer den Hang hinauf zu schleppen. Erst trockene Kleidung, ein warmes Essen und ein heißer Kakao brachten meine Lebensgeister zurück. Mein Zelt steht neben dem von Mel und Steve.
Bevor ich mich in meinen Schlafsack zurückzog, genoss ich am Ufer die überwältigende Stille des Flusses. Nach Zähneputzen und in den warmen Schlafsack kriechen trommelt über mir bereits wieder der nächste Regen auf das Zeltdach.
17. Dezember 2025 – zweiter Tag auf dem Fluß
Der heutige Morgen begann glücklicherweise mit Sonnenschein, auch wenn der Gedanke an meine klatschnassen Shorts, in die ich für den Start schlüpfen musste, schon jetzt Überwindung kostete. Nach dem Frühstück schleppte ich meine beiden Fässer wieder hinunter zum Ufer, um sie im Boot zu verstauen. Wieder nahm sich Guido viel Zeit für die Sicherung der Fässer, bevor wir uns erneut in die Strömung begaben.
Die Landschaft war genauso beeindruckend wie gestern, einfach toll die Aussicht. Es gab wieder Höhlen und Wasserfälle und schließlich das Schild zur „Bridge to Nowhere“, einer einsamen Brücke mitten im dichten Wald, die wir nach einer kurzen Wanderung erreichten. Keine Strasse führt dort hin und keine von ihr weg – Ergebnis eines vergeblichen Versuches, diese Gegend mit einer Strasse zu erschließen. Während der Wald dort traumhaft und friedlich wirkte, wurden wir auf dem Fluss immer wieder von heftigen Regenschauern überrascht, vor denen wir einmal sogar unter herabhängenden Ästen Schutz suchten. Die Sonne und der Regen wechselten sich stetig ab, was ein ständiges Frieren und Hoffen auf Trocknung bedeutete.
Auf dem Wasser begegneten uns heute auch einige Jetboote, die jedoch rücksichtsvoll das Tempo drosselten, um uns nicht mit ihren Wellen in Bedrängnis zu bringen. Die Spannung stieg, als wir uns den berüchtigten „50/50 Rapids“ näherten, doch wir meisterten alle Stromschnellen, ohne zu kentern, auch wenn ich im vorderen Teil des Kanus wieder ordentlich Spritzwasser abbekam. In Pipiriki angekommen, hatten wir das große Glück, dass unser Gepäck trotz der späten Stunde (nach 18 Uhr) noch abgeholt wurde, was mir den mühsamen Transport zum 600 Meter entfernten Campingplatz ersparte.
Ich musste erst mal mein Zelt trocknen, denn es war immer noch nass vom letzten Camp. Nachdem die ganzen Sachen auf den Zeltplatz geschleppt waren, konnte ich heiß duschen gehen: raus wollte ich da gar nicht mehr, ach war das schön.
Nach einer heißen Dusche und einer warmen Mahlzeit in der Gemeinschaftsküche liege ich nun erschöpft in meinem halbwegs trockenen Zelt. Noch immer spüre ich das sanfte Schaukeln des Flusses in meinem Körper. Bin stolz auf meine Ausdauer, ich merke von dieser stundenlangen Paddelei fast nichts, vielleicht ein leichtes Ziehen im Unterarm, das war es. Gut im Training!!
18. Dezember 2025 - 3. River Journey Tag
Die Nacht war unruhig, da mich der leichte Regen auf das Zeltdach und das Schnarchen meines Kapitäns aus dem Nachbarzelt immer wieder weckten. Bereits vor 6.00 Uhr hielt es mich nicht mehr in den Federn. Nach dem Frühstück telefonierte ich mit Sylvi und erfuhr, dass unsere Mutter mit Vorhofflimmern im Krankenhaus liegt. Auch wenn die Nachricht mich beschäftigte, war ich erleichtert, dass sie dort gut aufgehoben ist und wir alle erst einmal beruhigt sein können. Vor dem Wochenende wird sie wohl nicht entlassen und ich hoffe inständig, dass sie schnell wieder zu Kräften kommt.
Anschließend begann der morgendliche Trott aus Packen und Vorbereiten. Ich lief geschäftig hin und her, hängte mein Zelt zum Trocknen auf die Leine und stellte pünktlich um 8.00 Uhr meine Fässer zur Abholung bereit. Da Guido noch eine Weile brauchte und ich nicht warten wollte, bis er mit Junior und dem Quad zum Abladen nachkam, fuhr ich kurzerhand selbst mit hinunter zum Fluss, um beim Verladen zu helfen. Es dauerte schließlich bis 9.30 Uhr, bis alles sicher verstaut und verschnürt war und wir endlich ablegen konnten.
Die Wettervorhersage stimmte einen optimistisch und bis auf einen winzigen Schauer hielt sich die Vorhersage. Trotzdem blieb ich nicht trocken, da mich die Stromschnellen und die Strömung mehrfach erwischten. Dank des Sonnenscheins wurde mir jedoch nie lange kalt und meine Kleidung trocknete schnell am Körper. Die Landschaft wandelte sich im Laufe des Tages merklich. Während die Felswände anfangs noch an den Vortag erinnerten, wurden sie mit der Zeit flacher und weniger bewachsen. Dafür mischten sich immer häufiger Palmen und Farnbäume unter die Wälder und Wiesen.
Besonders die Tierwelt war heute beeindruckend. Ich sah wahnsinnig viele Ziegen, wobei fünf von ihnen leblos am und im Wasser lagen, was wohl bedeutete, dass sie geschossen worden waren. Neben Pfauen, Schafen und Pferden entdeckte ich zum ersten Mal auch Rehe. Ein besonders kurioser Moment war eine vermeintliche Treibholz-Sichtung, die sich als schwimmendes Reh entpuppte, das gerade den Fluss überquerte und vor uns erschrak.
Trotz einiger schneller Passagen legten wir insgesamt nur 39 Kilometer zurück und erreichten bereits um 15.30 Uhr unser Lager. Das Anlegen und Ausladen gestaltete sich als kleiner Balanceakt. Während Guido die Fässer aus dem Kanu reichte, schleppte ich sie die Böschung hinauf. Das Camp selbst entpuppte sich als eher schlicht: Eine schöne Wiese mit flachen Tischen, aber ohne Bänke und mit einer leider sehr schmutzigen Toilette. Ich wäre gerne noch ein Stück weitergepaddelt, beugte mich dann aber Guidos Wunsch, hier zu bleiben.
Den Rest des Nachmittags nutzte ich, um meine Sachen in der Sonne zu trocknen, wobei mir klar wurde, dass in Whanganui dringend ein Waschtag ansteht. Nach dem üblichen Prozedere aus Zeltaufbau und Kochen gesellten wir uns zu Virva aus Finnland und Jamie aus Großbritannien. Wir unterhielten uns eine Weile, doch die Müdigkeit forderte ihren Tribut. Guido zog sich schon um 18.00 Uhr zurück, ich kroch eine Stunde später ebenfalls in meinen Schlafsack. Mein rechter Handrücken ist mittlerweile angeschwollen, was mir zwar keine Schmerzen bereitet, mich aber dennoch grübeln lässt. Auch meinen Nacken spüre ich deutlich. Ich hoffe sehr, dass wir morgen die Strecke bis Whanganui in einem Rutsch schaffen und mir ein weiteres Schleppen der schweren Fässer erspart bleibt.
19. Dezember 2025 - und weiter auf dem Whanganui-River
In der letzten Nacht hatte es nur ein paar Mal leicht genieselt, doch die Ruhe wurde von einer Ziege gestört, die sich lautstark mit einem Vogel stritt, während ein anderes Tier direkt neben meinem Zelt knabberte. Ich war dementsprechend früh wach, verspeiste mein Müsli und trank meinen Tee, bevor ich zügig alles zusammenpackte. Schon um 7:00 Uhr hatte ich meine Ausrüstung zum Fluss hinuntergeschleppt und teilweise im Kanu verstaut, in der Hoffnung auf einen frühen Aufbruch.
Leider ließ unser „Kapitän“ Guido auf sich warten. Während ich Virva und Jamie beim Frühstücken zusah, dauerte es eine gefühlte Ewigkeit, bis er endlich aus seinem Zelt kroch. Zu meinem Bedauern stellte er sofort klar, dass er heute auf keinen Fall weiter als bis zum Hiponga Park paddeln wollte. Das bedeutete, dass wir Whanganui erst morgen erreichen würden, was mich ziemlich ärgerte, da ich es wenigstens hätte versuchen wollen. Er frühstückte in aller Seelenruhe und ließ sich auch beim Packen Zeit, sodass es schließlich 8:3 Uhr wurde, bis wir startklar waren.
Die Fahrt auf dem Fluss war eigentlich sehr entspannt, da wir nur 24 Kilometer vor uns hatten. Die Stromschnellen stellten heute keine große Herausforderung dar, allerdings machten uns die Strömung und der Gegenwind ein wenig zu schaffen. Unterwegs begleiteten uns die Rufe zahlreicher Pfaue, von denen wir jedoch nur einen einzigen zu Gesicht bekamen. Besonders spannend war die Sichtung eines Vogels, den wir beide noch nie zuvor gesehen hatten. Am Ufer beobachteten wir zudem Schafe, Rinder und die allgegenwärtigen Ziegen.
Nachdem wir am Hiponga Park angekommen waren, machten wir das Kanu fest und luden es aus. Die anschließende Schlepperei den Hang hinauf war zwar anstrengend, fiel mir aber deutlich leichter als am Vortag. Der Zeltplatz bot eine riesige Rasenfläche für bestimmt 50 Zelte mit Grillstellen, Picknicktischen und einer offenen Hütte. Zunächst nutzte ich die Sonne, um mein Zelt zu trocknen, doch kaum stand es, setzte der Regen ein, der den gesamten Nachmittag und Abend anhielt.
Im Laufe der Zeit trudelten weitere Paddler ein, sodass sich die Wiese füllte. Zum Glück gab es den Shelter, in dem wir gemeinsam kochen und sitzen konnten, was den Abend recht gesellig machte. Dennoch zog ich mich schließlich in mein Zelt zurück, da ich etwas Ruhe brauchte. Der Gedanke, dass wir morgen wegen der Flut erst gegen Mittag aufbrechen können, frustriert mich allerdings sehr. Wir werden insgesamt über 23 Stunden in diesem Camp verbracht haben, obwohl wir längst in Whanganui hätten sein können. Ich versuche nun, das Beste daraus zu machen und mich auf die Weiterreise zu freuen.
20. Dezember 2025 - Ankunft am Meer und endlich wieder laufen
Heute war der fünfte Tag der Boots-Reise. Wie fast jeden Morgen erwachte ich ziemlich früh. Da ich mein Buch noch nicht beendet hatte, nutzte ich die Zeit im Schlafsack und las die letzten Kapitel. In der Nacht hatte es immer wieder geregnet, doch pünktlich zum Morgen kam die Sonne hervor. Eins der seltenen Male, wo ich mein Zelt trocken einpacken konnte. Da wir jedoch erst gegen Mittag aufbrechen konnten, trank ich in aller Ruhe meinen Tee und beendete mein Buch. Selbst danach war ich immer noch die Erste, die auf den Beinen war und frühstückte.
Nachdem ich meine Fässer gepackt hatte, wartete ich ungeduldig auf den Start und trug meine Ausrüstung schon einmal hinunter zum Fluss. Ich hoffte inständig auf Rückenwind für die bevorstehenden 19 Kilometer, da der Veranstalter eine Zeit von dreieinhalb Stunden veranschlagt hatte. Der Vormittag zog sich quälend in die Länge, und ich war sichtlich erleichtert, als wir um 11:15 Uhr endlich in den Kanus saßen. Die Stimmung auf dem Wasser war jedoch angespannt. Guido paddelte sehr gemächlich vor sich hin, was mich ziemlich verärgerte. Ich versuchte zwar, mich nicht in meine Wut hineinzusteigern, aber die Landschaft veränderte sich zusehends: Die Felsen wurden flacher, wichen einfachen Hügeln und zu allem Überfluss drehte der Wind, sodass er uns nun direkt von vorne entgegenwehte.
Als wir die Brücke erreichten, wusste ich, dass es zu Fuß noch etwa anderthalb Stunden gewesen wären. Genau ab diesem Punkt begann der wirklich anstrengende Teil der Etappe. Ein alter Ausflugsdampfer voller Touristen kam uns entgegen, stieß dicken Rauch aus und wendete kurz darauf, um direkt vor uns herzufahren. Guido war der Meinung, dass es in der Strömung des Dampfers leichter zu paddeln sei, doch ich empfand das überhaupt nicht so. Die letzten 90 Minuten entwickelten sich zu einem harten Kampf. Meiner Meinung nach hielten wir uns auf der falschen Flussseite auf, denn der Gegenwind war so stark, dass ich kaum noch gegen die Wellen ankam. Das Kanu klatschte bei jedem Wellengang hart auf das Wasser und ich war kurz davor, aufzugeben. Erst als ich die umgedrehten Boote am Ufer des Holiday Parks entdeckte, wusste ich, dass wir es geschafft hatten.
Die Ankunft war mühsam, da es eine gefühlte Ewigkeit dauerte, bis das Kanu entladen, gesichert und die Ausrüstung wieder in den Rucksäcken verstaut war. Sobald alles bereit war, machte ich mich allein auf den Weg zur Jugendherberge in Whanganui, die noch fünf Kilometer entfernt lag. Dort angekommen, stellte ich sofort mein Zelt auf, genoss eine Dusche und startete die Waschmaschine. Während die erste Ladung Kleidung in der Sonne trocknete, tauschte ich meine Regenkleidung gegen Shorts und ging zum Supermarkt. Ich war froh, als ich den Einkauf erledigt hatte. Die restliche Wäsche war bis dahin auch schon trocken. Ich habe den Einkauf und die gewaschene Wäsche ins Zelt geworfen und habe angefangen zu kochen. Gemüse Curry mit Nudeln für heute und morgen, lecker.
Das Chaos im Zelt war groß, ich hatte alles nur reingeworfen. Nach dem Essen habe ich alles sortiert, aufgeräumt und verpackt und kann gleich schlafen. Ich freu mich auf die Wanderung morgen, endlich wieder laufen!